Entschlossenheit in der Bekämpfung des Antisemitismus bekräftigt

HStT-Präsident Uwe Becker - Foto: Frankfurt am Main

Städtetag
06 Sep
Donnerstag, 6. September 2018
Die Städte in Hessen wollen nach ihrem heutigen Beschluss ihrer Spitzengremien geschlossen dem wachsenden Antisemitismus entschieden entgegentreten.

"Die Städte in Hessen verurteilen jegliche Form des Antisemitismus", sagt der Präsident des Hessischen Städtetages, Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker, nach der Sitzung der Spitzengremien des Verbandes in Fulda.

"Wir rufen unsere Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich jeglichen Formen des Antisemitismus entgegenzustellen. Die Städte werden alles denkbar Mögliche unternehmen, die konsequente Bekämpfung, Verfolgung und Erfassung von antisemitisch motivierten Straftaten und den Opferschutz zu unterstützen, die Stärkung der Zivilgesellschaft voranzubringen sowie ihre Bürger für antisemitische Denkmuster und Einstellungen durch gezielte Aufklärung zu sensibilisieren. Entscheidend ist dabei der Abbau von Berührungsängsten durch stete Begegnungen und Gespräche."

73 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz müssen wir in Europa wie auch bei uns in Deutschland und in Hessen leider wieder eine Zunahme des Antisemitismus feststellen, der sich aus den Hinterzimmern radikaler Gruppen längst wieder in die Mitte der Gesellschaft traut und heute auf Straßen und Plätzen stärker wahrzunehmen ist, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war.

"Es ist an der Zeit, dem wachsenden Antisemitismus entschiedener entgegenzutreten. Der Kampf gegen Antisemitismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich nicht nur der Staat konsequenter annehmen muss, sondern jede und jeder einzelne ist gefordert. Judenfeindlichkeit ist ein gesellschaftliches Gift, welches das Miteinander zerstört. Daher ist nicht zuvorderst die jüdische Gemeinschaft als Ziel des Antisemitismus, sondern die gesamte Gesellschaft aufgefordert, gegen Judenfeindlichkeit aufzustehen und sich gegen Antisemitismus zu engagieren", erklärte Becker.

Die Buntheit und Vielfalt des Antisemitismus reicht heute vom rechtsradikalen Judenhass, der den weitaus größten Anteil an registrierten antisemitischen Straftaten in Deutschland besitzt, bis zu einer blinden Israelfeindlichkeit, die den Umweg über den Antizionismus wählt und beim Antisemitismus ankommt. Gleichzeitig stellt jene Judenfeindlichkeit eine wachsende Herausforderung dar, die sich aus Kulturkreisen des Nahen und Mittleren Ostens speist, wo schon heranwachsende Kinder mit dem Feindbild des bösen Juden, der in der Regel auch gleichzeitig Israeli ist, aufwachsen.

Der Hessische Städtetag bekennt sich zu der besonderen Verantwortung Deutschlands gegenüber dem Staat Israel und tritt für das friedliche Miteinander von Israelis und Palästinensern ein. Gruppierungen und Bewegungen, die das Existenzrechts Israel in Frage stellen, das Land dämonisieren oder zu Boykotten, Deinvestitionen oder Sanktionen aufrufen, wie etwa die antisemitische BDS-Bewegung, müssen mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entschieden bekämpft werden.

Die Erfahrung zeigt: Gerade die Begegnung junger Deutscher mit jungen Israelis ist eine wirkungsvolle Methode, Antisemitismus vorzubeugen. "Was für junge Menschen, die vorurteilsfrei auf andere Menschen zugehen, gilt, muss für alle Menschen gelten. Deswegen sind wir als Hessischer Städtetag gerade dabei, mit unserem israelischen Partnerverband eine intensive Kooperation einzugehen", sagt Becker. "Dadurch wollen wir auch die Verbindungen, die bereits durch die internationale Jugendarbeit bestehen, wieder stärker beleben, intensivieren und voranbringen."

Viele Städte des Hessischen Städtetages sind bereits Freundschaftsverträge oder Städtepartnerschaften mit israelischen Städten eingegangen. So besteht z. B. zwischen Tel Aviv-Jaffa und Frankfurt am Main seit 1980 ein Freundschaftsvertrag, 2017 in eine Städtepartnerschaft gemündet. Die Landeshauptstadt Wiesbaden ist seit 1981 mit Kfar Saba freundschaftlich verbunden. Becker: "Das sind die besten Grundsteine, Antisemitismus vorzubeugen und zu bekämpfen. Für weitere Partnerschaften werben wir daher sehr."

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