Steuerschätzung Mai 2010 – Regionaldaten für Hessens Kommunen schockierend

Grafik zu Gewerbesteuer (netto) und Anteil Einkommensteuer

20 Mai
Einkommensteuerflaute bis zum Jahr 2014 – Gewerbesteuerflaute noch über das Jahr 2014 hinaus.

Die regionalisierten Daten über die Steuerschätzung bis zum Jahr 2014 sind für Hessens Kommunen schockierend: Die beiden wichtigsten kommunalen Ertragssäulen Gewerbe- und Einkommensteuer werden nicht einmal bis zum Jahr 2014 die Ergebnisse des Jahres 2008 übertreffen.

 Die hier verwendeten Daten entstammen einer Mitteilung des Hessischen Ministeriums der Finanzen. Das Ministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass die Zahlen auf Schätzungen nach momentanem Stand basieren und es offizielle Zahlen erst mit Veröffentlichung der jährlichen Orientierungsdaten gibt. Die Geschäftsstelle des Hessischen Städtetages hat die Tabellen aufbereitet..

Die Schätzer erwarten die Einkommensteuer selbst im Jahr 2014 nur bei 99 Prozent des Aufkommens von 2008. Die Gewerbesteuer erreicht nicht einmal diesen Anteil: Die Fachleute prognostizieren ein Gewerbesteueraufkommen in Höhe von nominal 87 Prozent des Aufkommens von 2008!

Lediglich die Grundsteuern A und B sowie die Umsatzsteuer lassen bis 2014 einen stetigen Aufwärtstrend erwarten. Angesichts des geringen Anteils dieser drei Steuern an den gesamten kommunalen Steuererträgen ist dies beileibe keine ausreichende Kompensation.


 

Tabelle 1: Steueraufkommen
 
(Quelle Daten farbig unterlegt: Mitteilung des HMdF vom 12.05.2010)

                                                                                                                 

 

Jahr

 
 

GrdSt. A+B

 
 

GewSt. netto

 
 

ESt.

 
 

USt.

 
 

Steuern Summe

 
 

2014

 
 

826.744.450

 
 

3.100.200.833

 
 

2.854.000.000

 
 

367.536.880

 
 

7.148.482.163

 
 

2013

 
 

811.534.652

 
 

2.908.335.945

 
 

2.729.000.000

 
 

358.698.694

 
 

6.807.569.291

 
 

2012

 
 

796.324.854

 
 

2.706.635.906

 
 

2.589.000.000

 
 

351.740.974

 
 

6.443.701.734

 
 

2011

 
 

781.115.055

 
 

2.512.690.290

 
 

2.424.000.000

 
 

342.526.696

 
 

6.060.332.041

 
 

2010

 
 

765.905.257

 
 

2.336.376.121

 
 

2.440.000.000

 
 

338.295.649

 
 

5.880.577.027

 
 

2009

 
 

730.303.404

 
 

2.624.040.982

 
 

2.627.929.406

 
 

332.825.945

 
 

6.315.099.737

 
 

2008

 
 

730.550.421

 
 

3.579.202.542

 
 

2.887.498.974

 
 

338.589.933

 
 

7.535.841.870

 
 

2007

 
 

736.712.212

 
 

3.441.831.239

 
 

2.655.403.198

 
 

327.636.310

 
 

7.161.582.959

 
 

2006

 
 

691.927.649

 
 

3.084.309.520

 
 

2.342.946.485

 
 

293.379.843

 
 

6.412.563.497

 
 

2005

 
 

678.080.916

 
 

2.489.130.809

 
 

2.171.870.110

 
 

279.064.618

 
 

5.618.146.453

 
 

2004

 
 

667.613.147

 
 

2.193.491.774

 
 

2.145.133.407

 
 

275.159.158

 
 

5.281.397.486

 
 

2003

 
 

644.974.961

 
 

1.693.306.569

 
 

2.370.089.281

 
 

273.930.864

 
 

4.982.301.675

 
 

2002

 
 

626.392.282

 
 

1.550.930.782

 
 

2.459.462.321

 
 

276.392.393

 
 

4.913.177.778

 

 

Tabelle 2: Index 2008=100

                                                                                                                 

 

Jahr

 
 

GrdSt. A+B

 
 

GewSt. netto

 
 

ESt.

 
 

USt.

 
 

Steuern Summe

 
 

2014

 
 

113

 
 

87

 
 

99

 
 

109

 
 

95

 
 

2013

 
 

111

 
 

81

 
 

95

 
 

106

 
 

90

 
 

2012

 
 

109

 
 

76

 
 

90

 
 

104

 
 

86

 
 

2011

 
 

107

 
 

70

 
 

84

 
 

101

 
 

80

 
 

2010

 
 

105

 
 

65

 
 

85

 
 

100

 
 

78

 
 

2009

 
 

100

 
 

73

 
 

91

 
 

98

 
 

84

 
 

2008

 
 

100

 
 

100

 
 

100

 
 

100

 
 

100

 
 

2007

 
 

101

 
 

96

 
 

92

 
 

97

 
 

95

 
 

2006

 
 

95

 
 

86

 
 

81

 
 

87

 
 

85

 
 

2005

 
 

93

 
 

70

 
 

75

 
 

82

 
 

75

 
 

2004

 
 

91

 
 

61

 
 

74

 
 

81

 
 

70

 
 

2003

 
 

88

 
 

47

 
 

82

 
 

81

 
 

66

 
 

2002

 
 

86

 
 

43

 
 

85

 
 

82

 
 

65

 

 

 

Die vorstehenden Tabellen zeigen, dass Hessens Kommunen in der ersten Hälfte der zehner Jahre ihre Aufgaben Jahr für Jahr mit einem deutlich niedrigeren Steueraufkommen erfüllen müssen als sie es noch im Jahr 2008 zur Verfügung hatten. 

Die Beträge sind zudem nominal. Weder die Daten über die Steuererträge selbst noch die Indexrechnung sind inflationsbereinigt.

Besonders enttäuschend ist die Perspektive beim Blick nach vorne. Ist Hessens Kommunen schon seit geraumer Zeit bewusst, dass die Jahre 2010/2011 besonders schwierig werden würden, so konnten wir bisher doch berechtigt eine baldige Erholung in mittlerer Frist bis zum Jahr 2013 erwarten.

Jetzt ist auch diese Hoffnung zunichte geworden. Nicht einmal im Jahr 2014 sind bei der Gewerbesteuer Ergebnisse nominal wie 2008 in Sicht. 

Die Anteile an der Einkommensteuer erreichen im Jahr 2014 gerade wieder 99 Prozent des Aufkommens von 2008. 

Die Daten vermitteln die Ergebnisse der Steuerschätzung auf der Ertragsseite. Sie würden sich völlig verändern, wenn inflationäre Tendenzen einflössen. 

Auch der Kommunale Finanzausgleich wird keine Kompensation ermöglichen. Das gilt verstärkt dann, wenn das Land dem Kommunalen Finanzausgleich ab 2011 zusätzlich 400 Mio. Euro pro Jahr entzieht. In diesem Fall würden die Wirkungen der kommunalen Steuerflaute massiv verstärkt: Die hessischen Kommunen werden den Entzug von 400 Mio. Euro unter keinen Umständen verkraften können.

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