Struktur der Rettungsdienstleitstellen in Hessen erhalten
Der Hessische Städtetag nimmt zur Veröffentlichung des Prüfberichts der GKV-Verbände zur Struktur der Leitstellen in Hessen Stellung. Er erteilt den Callcentern der Krankenkassen eine deutliche Absage.
Der Hessische Städtetag nimmt die Veröffentlichung des Prüfberichts der GKV-Verbände zur Struktur der Leitstellen mit großer Sorge zur Kenntnis. Die darin geforderte Zentralisierung der rettungsdienstlichen Steuerung auf wenige zentrale Einrichtungen greift zu kurz, ignoriert die gewachsene Leistungsfähigkeit der bestehenden Integrierten Leitstellen und ist sicherheitspolitisch riskant.
Diese Position wird wie folgt begründet:
1. Städte tragen Verantwortung – im Alltag wie in der Krise
Die Integrierten Leitstellen der kreisfreien Städte sind weitaus mehr als reine Dispositionszentralen. Sie sind:
§ taktische Führungseinheiten der kommunalen Gefahrenabwehr,
§ organisatorisch eingebunden in die kommunale Infrastruktur und
§ erste Ansprechpartner bei Rettungsdienst, Feuerwehr, Katastrophenschutz und städtischem Ordnungswesen.
Diese Rolle lässt sich durch keine zentralisierte Lösung ersetzen. Die Nähe zur Lage, das Wissen über lokale Besonderheiten und die Verfügbarkeit eingespielter Akteursnetzwerke sind in kritischen Lagen entscheidend für schnelles und richtiges Handeln.
2. Die Sicherheitslage hat sich geändert – und verlangt dezentrale Resilienz
Zunehmende geopolitische Unsicherheiten, hybride Bedrohungslagen, Naturkatastrophen und Versorgungskrisen haben die Anforderungen an kommunale Gefahrenabwehrstrukturen stark verändert.
§ Die Corona-Pandemie, Starkregen- und Hochwasserereignisse, Energieengpässe und Großlagen mit Evakuierungen haben gezeigt: Nur lokale, in die kommunalen Entscheidungsstrukturen integrierte Leitstellen können schnell, abgestimmt und lageangepasst handeln.
§ In urbanen Räumen müssen parallel viele komplexe Lagen geführt werden – das setzt Personal, Ortskenntnis und regionale Entscheidungsfreiheit voraus.
Eine zentrale Landesleitstelle, so technisch ausgefeilt sie auch sein mag, kann diese Anforderungen nicht erfüllen – vor allem dann nicht, wenn im Ernstfall zentrale Netzstrukturen ausfallen oder überlastet sind.
3. Die Zukunft liegt nicht in Zentralisierung, sondern in vernetzter Dezentralität
Der Hessische Städtetag bekennt sich ausdrücklich zu einer modernen, digitalen und effizient organisierten Leitstellenstruktur in Hessen. Unser Verständnis der Zukunft lautet:
Eine hessische Leitstelle an 25 Standorten, im Sinne eines landesweiten Systems, das:
§ technisch vernetzt ist,
§ gemeinsame Standards erfüllt,
§ und eine vollständige gegenseitige Vertretungsfähigkeit sicherstellt –
aber gleichzeitig:
§ lokale Führungsfähigkeit bei Ausfall der Netzstruktur,
§ Eigenständigkeit in taktischen Lagen und
§ organische Einbindung in die kommunale Gefahrenabwehrstruktur bewahrt.
Diese Kombination aus technischer Redundanz und organisatorischer Resilienz ist das, was sich in der Praxis bewährt hat – und was andere Länder erst mühsam aufbauen müssen. Diese Vernetzung ist bereits in den Leitstellen angekommen und wird im täglich regelhaft genutzt. Sei es die Disposition fremder Rettungsmittel im Rahmen der Nächstes-Fahrzeug-Strategie oder der Notrufüberlauf.
4. Digitalisierung und Qualitätssicherung: ja – aber realitätsnah
Die Forderung nach mehr Einheitlichkeit bei Ausbildung, IT-Systemen und Notrufabfrage ist grundsätzlich richtig – aber bereits Realität. Alle hessischen Leitstellen arbeiten mit vernetzten Einsatzleitsystemen, welche durch landesweite Standards, gemeinsame Serverstrukturen, IVENA-Anbindung und abgestimmte Vertretungskonzepte gestützt werden. Weitere Schnittstellen befinden sich in der Entwicklung.
Die Disponenten werden zentral an der HLFS ausgebildet, in städtischen Leitstellen kommen strukturierte und standardisierte Notrufabfragen zum Einsatz – etwa das Medical Priority Dispatch System (MPDS) in Wiesbaden oder die SNA in den restlichen Leistellen. Die Leitstellen sind heute schon stärker vereinheitlicht und vernetzt, als der Prüfbericht erkennen lässt.
Was fehlt, ist nicht Zentralisierung, sondern:
§ eine bessere politische und finanzielle Unterstützung,
§ die Einbindung kommunaler Expertise in landesweite Reformen und
§ eine versorgungsseitige Stärkung der nicht-rettungsdienstlichen Alternativen (z. B. 116117, Bereitschaftsdienste, ambulante Notfallstrukturen).
5. Fazit: Starke Städte brauchen starke, vernetzte Leitstellen
Die städtischen Leitstellen in Hessen sind bewährte, verlässliche und unverzichtbare Akteure im Bevölkerungsschutz. Sie sichern das Funktionieren der Daseinsvorsorge in den größten Verdichtungsräumen Hessens – jeden Tag und unter schwierigsten Bedingungen.
Der Hessische Städtetag lehnt daher jede pauschale Zentralisierung der Leitstellenstruktur entschieden ab. Stattdessen fordern wir:
- eine sachgerechte Weiterentwicklung bestehender Strukturen,
- verbindliche Qualitätsstandards,
- den weiteren Ausbau technischer Vernetzung,
- und eine aktive Beteiligung der Städte an jeder Strukturreform.
Sicherheit entsteht nicht durch Konzentration, sondern durch Kooperation, Nähe und Redundanz. Wer schnelle, sichere Hilfe will, braucht lokal verankerte Leitstellen – nicht entfernte Callcenter.
Termine
20.08.26 | 13:00
AK Umwelt und Mobilität
Videokonferenz
25.08.26 | 10:00
AG kommunale Wirtschaftsförderung
Oberursel
26.08.26 | 09:30
AG Mitte
Lauterbach
27.08.26 | 10:00
AG Kämmereien
Videokonferenz
02.09.26 | 10:00
AG Stadtverordnetenvorsteher/-innen
Langen
03.09.26 | 10:00
Ausschusses für Finanzen und Wirtschaft
Videokonferenz
04.09.26 | 11:00
Hessische Jugendhilfekommission SGB VIII
Wiesbaden, HdKS, Foyer
07.09.26 | 11:00
UAG Spielapparatesteuer
Videokonferenz
08.09.26 | 10:00
AK Beteiligungssteuerung
Neu-Isenburg